Tour 2016

Foto: David Campesino

 

Nach einem erfolgreichen Start der Reihe Orte – Mekomot im Jahr 2015 wird das Projekt dieses Jahr weitere Synagogen besuchen. Das erste Konzert findet am 31.03. in Berlin statt. Mit dem Anspruch ehemalige Synagogen aus der passiven Position als Erinnerungsort in einen aktiven Kontext zu setzen, wird eine Verbindung aus traditionellen jüdischen Gesängen und modernen Kompositionen geschaffen.

Neue Musik wird in alte, in ehemalige Synagogen getragen: Fünf junge jüdische, in Deutschland wirkende Komponisten, darunter die künstlerische Leiterin Sarah Nemtsov, präsentieren zeitgenössische Kompositionen für Gesang und Instrumentalensemble. Alle fünf neuen Werke setzen sich mit der Idee des Projekts „Orte – Mekomot“ auseinander, zugleich folgen sie im weitesten Sinne der Struktur des jüdischen Minchah-Gebets. Traditionelle, unbegleitete Gesänge vom Kantor (Chasan) Assaf Levitin vorgetragen, fungieren als Brücke zwischen den Werken. Das Instrumentalensemble ist in Anlehnung an biblisches Instrumentarium – als moderne Version – gewählt, einzig das Schofar (Widderhorn) blieb bis heute in seiner Form erhalten.

Für Sarah Nemtsov bestand die Frage, ob es heute – im globalisierten 21. Jahrhundert – möglich sei, eine Art neue Liturgie zu schaffen. „Moderne jüdische Musik als gemeinsames Gebet, wenn auch zweifelnd, säkular, kritisch und aktuell, persönlich, durch subjektive Filter der Komponisten, von denen jeder ästhetisch ein ganz eigenes Profil hat. Musik im Bewusstsein und in Auseinandersetzung mit der Geschichte; jedoch als positives Statement für die Zukunft.“

Das Projekt Orte – Mekomot wird in verschiedenen Städten in Deutschland und Polen aufgeführt. Begonnen im Oktober 2015 in Stavenhagen, Hagenow und Dresden, geht die Tournee 2016 weiter mit Konzerten in Berlin, Essen, Köln und Erfurt, anschließend werden ehemalige Synagogen in kleineren Städten in Süddeutschland besucht wie Hainsfarth, Kippenheim, Binnswangen und Ichenhausen. Im Sommer folgen Konzerte in Polen. Das (vorerst) letzte Konzert findet in der Synagoge Worms statt, einem für die jüdische Geschichte sehr bedeutsamen Ort.

Nele Hertling, Schirmherrin der Reihe und Vizepräsidentin der Akademie der Künste in Berlin, empfindet es als sehr wichtig, diese Orte und ihre ursprüngliche Bedeutung wieder zu entdecken und als Teil der eigenen Geschichte zu begreifen. „Ich selbst habe in letzter Zeit einige dieser Synagogen in einer neu genutzten Weise kennengelernt und war tief beeindruckt von der Möglichkeit, an diesen Orten, klein oder groß, ein Verständnis zu wecken und auszubauen für eine Vergangenheit, in der Juden Teil der eigenen lokalen Kultur und Geschichte waren.“

zurück