Röbel_Proben_Fotos von Asmus Trautsch

Der Anfang ist gemacht!

Der Anfang ist gemacht! Der erste große Probenblock in Berlin und Röbel und die ersten beiden Konzerte liegen hinter uns. Was für eine Uraufführung in Stavenhagen! Und dann das akustisch noch überzeugendere Konzert in Hagenow! Wir alle sind bewegt, froh, begeistert – und etwas erschöpft.

Denn die letzte Woche war intensiv: Nach zwei Probentagen in Berlin im Rotapoint in Wedding fuhren wir am Mittwoch Morgen mit zwei Autos, einem Bus und einem Laster nach Mecklenburg in den schönen, für unsere Proben wunderbar geeigneten Engelschen Hof in Röbel. Anne Zettel und ihre Kolleginnen verwöhnten uns die Tage über mit Hummus, Shakshuka und weiteren köstlichen Speisen aus dem Nahen Osten und aus anderen Weltregionen, jedes Mal sternekochverdächtig. Die Stärkungen waren auch nötig, denn geprobt wurde von morgens bis in die Nachtstunden. Zum Glück fühlte sich niemand in der Nachbarschaft des Hofes gestört, an dessen Eingang man an der schönen alten Synagoge – Dank an Robert Kreibig für die interessante Führung! – vorbeigeht. So konnten wir ohne lange Pausen alle Energie in die Arbeit an den Stücken von Amit Gilutz, Bnaya Halperin-Kaddari, Eres Holz, Sarah Nemtsov und Amir Shpilman stecken. Dazwischen gab es Gespräche über die Stücke, über das Projekt, Diskussionen über Politik und Musik, über Geschichte und Gegenwart. Außer uns waren noch Egbert Hiller und Magdalena Melchers vom Deutschlandfunk vor Ort, die uns mit klugen Fragen interviewten. Am Dienstag, den 20.10., gab es abends im Musikjournal den ersten Beitrag über das vom DLF und dem Redakteur Neue Musik, Frank Kämpfer, begleiteten und unterstützen Projekt Orte – Mekomot.

Die Uraufführung war ein großartiges Ereignis! Wir sind ja zumeist, vor allem in Berlin, ein erst kurz vor Konzertbeginn eintreffendes Publikum gewöhnt. In der Alten Synagoge in Stavenhagen aber war schon 40 Minuten vor Konzertbeginn alles voll! Der Verein „Alt Synagoge“ stellte noch Stühle in allen Nischen und selbst im Vorraum Bänke auf. Ein bewegender Moment, als Assaf Levitin den Raum segnete und das erste Mal seit 80 Jahren Musik in diese jüdischen Gebetshaus erklang. Das Konzert mit den fünf Uraufführungen und den liturgischen Gesängen dazwischen gelang wunderbar, das Publikum zeigt sich mit langem, starkem Applaus beeindruckt und blieb noch eine Weile zum Wein in dem besonderen Raum, der erst am Nachmittag fertig gestrichen worden war.
Der Samstag brachte uns nach Hagenow, dort ist die Alte Synagoge schon länger renoviert und wird als Veranstaltungsraum genutzt. Sie ist mit der ehemaligen jüdischen Schule ein sehenswertes und besonderes Museum, das jedem Mecklenburg-Reisenden empfohlen sei. Nach der informativen Einführungsveranstaltung mit den Komponisten, dem Dramaturgen Asmus Trautsch und dem Vorsitzenden des Beirats, Henry Gawlick, gab es das in der Reihenfolge leicht umgestellte Konzert. Mit großer Aufmerksamkeit und sehr lang anhaltendem Applaus würdigte das Publikum dieses herausfordernde Programm.

Spät nachts luden wir die Instrumente in Berlin aus und fielen erschöpft in den Schlaf. Doch gleich am nächsten Tag ging es weiter: Am 3.11. treten wir in der Neuen Synagoge in Dresden im Rahmen der 19. Jüdischen Woche auf, dafür ist noch einiges zu organisieren und vorzubereiten: Weiter geht es mit Mekomot.

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