Innenansicht Synagoge Dresden

Das dritte Konzert rückt näher

Heimat. Babylon. Das dritte Konzert rückt näher: Am Dienstag, 3.11., 20 Uhr wird das Programm von ORTE – MEKOMOT zum dritten Mal zu hören sein. Und sicherlich in neuer Gestalt, nicht nur, weil es für jede Aufführung eine neue Konstellation aus 4 Teilstücken in Bnaya Halperin-Kaddaris Stück El gibt, die so zuvor noch nie zu hören gewesen ist. Neben seinem Stück wandeln sich mit jeder der Aufführungen von ORTE – MEKOMOT aber auch die anderen Stücke: Sie werden neu erfahren, lassen neue Herausforderungen zutage treten und werden in der einmaligen Situation auch einmalig gespielt. Jede Raumsituation, zu der Gliederung des Hauses, Publikum, Verteilung der Musiker und natürlich die Akustik gehören, erzeugt auch andere Bedingungen des Musizierens. In Dresden müssen wir vor allem mit der festen Installation von Sitzreihen und der Bima umgehen.

Das Dresdner Konzert ist Teil des Festivals der 19. Jüdischen Woche. Sie steht im Spannungsfeld zwischen der Suche nach Heimat und der Einsicht, dass wir heute in einer babylonischen Wirklichkeit leben. Für die Juden ist damit vor allem die Migration aus Palästina in die Diaspora nach der 2. Zerstörung des Tempels durch die Römer, 70 n. Chr., gemeint. Doch auch schon zuvor, als im Jahr 597 v. Chr. der babylonische Herrscher Nebukadnezar II. Jerusalem einnahm, mussten tausende Juden nach Babylon ins Exil gehen. Seitdem sind sie genötigt worden, unter schwierigen und nicht selten bedrohlichen Bedingungen zu Experten der Anpassung an neue Gesellschaften unter Beibehaltung ihrer kulturellen Identität zu werden.

Heute geht es um weltweite Migrationserfahrungen, die von Krieg und Armut aufgenötigt werden, oder von gut Ausgebildeten aus reicheren Gesellschaften gesucht werden. Wie kann gegenseitige Öffnung, Integration, Verbindung gelingen, ohne den Verlust der kulturellen Heimat zu verstärken? Wie gehen wir mit der Sprachen- und Kulturvielfalt um, in die uns nach biblischer Mythologie der Turmbau zu Babel versetzt hat (Genesis 11, 1-9). Wie problematisch und wie schön ist diese Verwirrung? ORTE – MEKOMOT weiß sich den Fragen der 19. Jüdischen Woche Dresden verbunden: Es sind auch unsere.

Hören Sie selbst: am 3.11. um 20 Uhr
Einführung durch die Künstlerische Leiterin, Sarah Nemtsov, und den Dramaturgen, Asmus Trautsch, um 19:30 Uhr

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